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5. bis 8. Mai 2019: Łódz - Eine Stadt zwischen industrieller Vergangenheit und moderner Kultur

05.05.2019

Abfahrt:
7.00 Uhr ab S-Bhf. Wannsee, Taxistand
7.15 Uhr ab URANIA Potsdam
7.30 Uhr ab Potsdam Hbf., Fernbussteig
Exkursionsleitung: Dr. Marc Banditt (Historiker)
Teilnehmerpreis: 490,00 €, EZZ: 69,00 €
Frühbucherpreis (bis 13.1.2019): 465,00 €
Leistungen: 3 Ü/HP, DZ, Du/WC, Programm, Eintritte
Mindestteilnehmerzahl: 20 Personen
Ankunft: ca. 20.00 Uhr in Potsdam/Wannsee


Im Jahr 1790 wohnten dort nicht mehr als 190 Menschen. Heute ist die im 19. Jahrhundert rapide gewachsene Stadt Łódź mit fast 700.000 Einwohnern eine der bevölkerungsreichsten in Polen. Im Zuge der Industrialisierung entwickelte sie sich insbesondere im Textilbereich zu einem bedeutenden Standort, weshalb das Bild des „polnischen Manchester“ nachhaltig prägend wirkte. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die seit Beginn der 90er-Jahre leerstehenden Fabrikgebäude merklich mit Leben gefüllt. Zahlreiche Restaurants, Bars, Museen und Theaterbühnen sorgen wieder für ein multikulturelles Flair auf den Straßen der Industriemetropole, in der vormals eine große jüdische Gemeinde lebte und die noch immer die Hochburg polnischer Filmschaffender ist.

 

1. Tag: Über die ul. Piotrkowska nach „Hollywodsch“
Ursprünglich im Jahr 1823 als Straße für den geplanten Industriestadtteil angelegt, entwickelte sich die ulica Piotrkowska zur zentralen Achse von Łódz. Mit einer Ausdehnung von insgesamt 4.900 m zählt sie zu den längsten Boulevards auf dem europäischen Kontinent (Führung). Auf der kulturellen Lebensader der Stadt sind unter anderem die Grandseigneurs des polnischen Films verewigt – ganz dem amerikanischen Vorbild folgend. Denn berühmte Regisseure wie Roman Pola  ́nski oder Andrzej Wajda gehören zu den Absolventen der 1948 gegründeten Staatlichen Hochschule für Film, Fernsehen und Theater. Seitdem werden in Łód ́z die meisten polnischen Filme gedreht (Führung durch das Museum der Kinematographie).
Übernachtung im Zentrum (3x)


2. Tag: Fabriken damals und heute
Die zentralen Einrichtungen der lokalen Filmindustrie liegen im Stadtteil Ksi ̨e ̇zy Młyn (Pfaffendorf), dessen Gebiet der Fabrikant Karl Wilhelm  Scheibler (1820–1881) erwarb. Dort ließ Scheibler eine nahezu autonome Arbeiterstadt mit einem separaten Fabrikgaswerk, einem Bahnhof sowie einer eigenen Schule errichten (Führung).
 Ein weiterer findiger Entrepreneur aus Łód ́z im 19. Jahrhundert war Izrael Poznanski (1833–1900). Seine Textilfabrik gehörte zeitlebens zu den weltweit größten, in der nach Restaurierungsarbeiten im Jahr 2006 die „Manufaktura“ eröffnete – ein riesiges Einkaufs- und Erlebniszentrum, das neben zahlreichen Geschäften und Restaurants einen eigenen Kinokomplex, ein Fabrikmuseum sowie ein Museum für moderne Kunst beherbergt (Besichtigung).


3. Tag: Architektur zur letzten Jahrhundertwende
Der ausgeprägte Unternehmergeist im Zeitalter der Industrialisierung führte auf der einen Seite zum Bau von flächendeckenden Arbeitervierteln und Fabrikanlagen. Auf der anderen Seite entstanden zugleich imposante Villen und Stadtpaläste, die den Wohlstand der profitierenden Kaufleute und Bankiers dokumentieren. Zu den meist im Jugendstil oder im Stil der Neorenaissance errichteten Privatresidenzen zählen unter anderem die Villa Leopold Kindermann, die Reinhold Richter Villa oder der Alfred Biedermann Palast (Führung).


4. Tag: Jüdisches Leben
Traurige Berühmtheit erlangte die Stadt im Zweiten Weltkrieg, nachdem die Wehrmacht dort am 9. September 1939 kampflos einmarschiert  war. Noch bevor  im April 1940 die Umbenennung in Litzmannstadt erfolgte, hatten die deutschen Besatzer ein Ghetto eingerichtet – das am längsten existierende des Dritten Reiches (Führung).
Zudem wurden fast alle der über 200 erbauten Synagogen zerstört. Von den Ausmaßen der jüdischen Kultur in Łódz zeugt heute insbesondere der jüdische Friedhof (Cmentarz Žydowski). Der größte seiner Art in Europa wurde auf einer von Izrael Poznánski gestifteten Fläche 1882 eröffnet und enthält 160.000 bis 180.000 Grabmale (Führung).