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Modegeschichte: Die Zerstörung einer Tradition

19.09.2017

Lesung und Gespräch mit Uwe Westphal, Autor des Romans: EHRENFRIED & COHN, erschienen im Lichtig-Verlag. Im Zentrum steht der Überlebenskampf der jüdischen Modefirma E & C in Berlin im Jahr 1935. Es geht den beiden Besitzern, Kurt Ehrenfried und Simon Cohn darum, ihre Firma vor der Enteignung durch die Nazis zu retten. Noch gehört den beiden eines der berühmtesten Konfektionshäuser Berlins. Immer einsamer klammern sich Ehrenfried und sein Partner Cohn an ihren Besitz. Vergebens.

 

Potsdam. Am 26. September bietet die URANIA Potsdam eine Lesung und Diskussion mit dem Autor des Romans Uwe Westphal. Im Mittelpunkt dieses spannenden Buches steht die Geschichte eines Modehauses, das aber repräsentativ für die Vernichtung aller jüdischer Bekleidungsfirmen durch die Nationalsozialisten steht.  
 
Der Vortrag über das Buch mit Leseanteilen beginnt um 18.00 Uhr. Der Teilnehmerpreis beträgt sechs Euro, ermäßigt fünf Euro.  

„Ich zeige in meiner Lesung, was ich schon in meinem Sachbuch: »Berliner Konfektion und Mode: Die Zerstörung einer Tradition 1836-1939 « beschrieb: den Aufstieg der Berliner Modehäuser seit dem 19. Jahrhundert und ihre Zerschlagung durch die Nationalsozialisten“, so Uwe Westphal. „Anhand eines spannenden Romans über die beiden fiktiven Charaktere Kurt Ehrenfried und Simon Cohn, denen in Berlin bis 1936 eines der berühmtesten Mode-und Konfektionshäuser am Berliner Hausvogteiplatz  gehörte, schildere ich, was aus der jüdischen Berliner Modetradition wurde. Im Roman wird aufgedeckt,  warum sich die Modeszene nach dem Krieg und bis heute weigert, sich zu den Verbrechen gegen die 2900 Modehäuser und Textilgeschäfte in Berlin und Potsdam zu stellen“, so Westphal.

 

„Obgleich die Berliner Mode in den fünfziger Jahren noch einmal versuchte z. B. mit Couturiers wie Detlef Albers, Heinz Schulze-Varell und Gerd Staebe an die große Zeit anzuknüpfen, blieb Berlin Modeprovinz. Es ist heute kaum noch vorstellbar, dass Berlin auf dem Gebiet der Damenmode einmal mit Paris mithalten konnte“, so Westphal abschließend. Das Buch ist kein Bilderbuch der Nostalgie einer großen Zeit. Der kritische Historiker Westphal schildert schonungslos die sogenannte „Arisierung“ der großen jüdischen Modegeschäfte während der Zeit des Nationalsozialismus und die Folgen bis heute.

 

Über Uwe Westphal
Uwe Westphal befasst sich mit dem Thema der jüdischen Berliner Konfektionshäuser schon seit den 80er-Jahren. Es ist eine intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte dieses Wirtschaftszweigs: der Entstehung der großen Modehäuser und der Rolle und Bedeutung der jüdischen Textilfabrikanten darin, der wachsenden Diskriminierung von jüdischen Arbeitern und Eigentümern, und schließlich der Zerstörung einer Branche mit einer jahrhundertealten Tradition.

 

Über den URANIA Potsdam e.V.
In der Tradition Wilhelm Foersters will der URANIA e. V. Potsdam naturwissenschaftliche Zusammenhänge und neue Erkenntnisse in der Wissenschaft sowie kulturelle Werte einer breiten Öffentlichkeit vermitteln. Im Jahre 1888 hat Wilhelm Foerster zusammen mit Werner von Siemens und Max Wilhelm Meyer in Berlin die URANIA gegründet. Der Name ist der griechischen Mythologie entlehnt: Urania ist die Muse der Himmelskunde. In Potsdam gab es seit 1954 die URANIA als „Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse“. Nach dem politischen Umbruch 1989 wurde die URANIA als Verein am 6. März 1991 neu gegründet. Aktuelle Programme zu Vorträgen, Führungen und Kursen sowie Veranstaltungen und Exkursionen sind im Internet unter www.urania-potsdam.de abrufbar.